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Schweiz – ausgewandert und nie bereut. Ich heiße Corinna Betting, bin 25 Jahre jung und examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Mein Examen habe ich in Deutschland, im September 2015, erfolgreich bestanden und konnte mein erlerntes Wissen auf der Intensivstation eines deutschen Krankenhauses unter Beweis stellen. Das Aufgabengebiet der Pflege ist abwechslungsreich und wichtig, dennoch sind die Arbeitsbedingungen oft nicht optimal. Dies traf leider auch auf meine Arbeitsstelle in Deutschland zu. Akuter Personalmangel, ein zu großes Arbeitsgebiet in einem sehr kleinen Zeitfenster. Dazu der Spagat, alle Aufgaben erledigen zu müssen aber trotzdem genügend Zuwendung für Patienten aufbringen zu wollen. Dementsprechend ist der Stresspegel sehr hoch und die Erholungsphase kaum gegeben. Die Unzufriedenheit und Anspannung der Kollegen wurde deutlich spürbar.

Zuerst war es nur Schwärmerei

Nach ca. einem Jahr meiner Tätigkeit wurde die Leitung der Intensivstation neu besetzt. Unser neuer Kollege hat zuvor 15 Jahre im Schweizer Gesundheitswesen gearbeitet und brachte viele neue Ideen, sowie Verbesserungsvorschläge mit. Ich bin neugierig geworden und begann mich für die Schweiz zu interessieren. Die zahlreichen spannenden Berichte des Mitarbeiters begeisterten mich schnell für das Land, zumal nicht nur die Arbeitsbedingungen sehr gut sind, sondern auch die Freizeitmöglichkeiten einen hohen Wert haben.

Dipl. Pflegefachfrau in Zürich

Schließlich bewarb ich mich im November 2016 als Dipl. Pflegefachfrau in Zürich. Der komplette Bewerbungsprozess verlief absolut reibungslos. Nach einem Schnuppertag im Dezember, unterschrieb ich einen Monat später meinen unbefristeten Arbeitsvertrag. Damit begann eine spannende Phase, denn schon im April würde ich einen neuen Job im Ausland antreten.

Endlich ist es soweit

Im März 2017 wanderte ich schließlich in die Schweiz aus. Noch in Deutschland habe ich mich mit der Wohnungssuche beschäftigt. Allerdings erwies sich dieser Part schnell schwieriger, als zuvor angenommen. Ich entschied mich zunächst bei einer Gastfamilie zu wohnen. Das Internet bietet hier verschiedenen Möglichkeiten.

Meine Gastfamilie

Ob es sich um Behördengänge, Empfehlungen für Krankenversicherungen, Banken, Mobilfunkanbieter oder Wohnungssuche handelte, die Gastfamilie empfing mich freudig und stand mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Sogar mit einem privaten Sprachkurs in „Schwitzerdütsch“ und einer Einführung in die Schweizer Kultur unterstützten sie mich. Dies erleichterte mir den Neuanfang wesentlich und ich bin den liebenswerten Menschen noch heute sehr dankbar.

Neue Freunde gefunden

Bereits zwei Monate später konnte ich das Wohnheim des Spitals in Zürich beziehen. Dort lernte ich viele nette Leute kennen und fand echte Freunde. Zusammen verbrachten wir unsere Freizeit oft in den traumhaften Naturlandschaften. Auch das Schweizer Nachtleben ist interessant, allerding verbringe ich die ruhigen Minuten lieber in den Bergen beim Wandern, oder Skifahren. Inzwischen habe ich meine eigene Wohnung, aber die Freunde bleiben.

Der neue Arbeitsplatz

Vom ersten Arbeitstag an hat man mich sehr herzlich ins Team aufgenommen. Am Anfang sind die Schweizer etwas zurückhaltend. Doch schon nach kurzer Zeit, zeigte sich, wie nett und zuvorkommend die Menschen sind. Es herrscht eine ausgeglichene, fröhliche Arbeitsatmosphäre. Zuverlässigkeit, Arbeitsbereitschaft und Teamfähigkeit sind die wesentlichen Eigenschaften, über die jeder Mitarbeiter verfügen sollte, denn sie schaffen die Basis für ein zufriedenes Team und gut funktionierende Arbeitsabläufe. Die Kollegen behandeln mich und sich untereinander sehr respektvoll und sind hilfsbereit.

Arbeitsbedingungen im Schweizer Gesundheitswesen

Im Gegensatz zu Deutschland, bietet die Schweiz wesentlich fortschrittlichere Arbeitsbedingungen. Abgesehen von der deutlich besseren Bezahlung, ist die Schweiz personell besser aufgestellt. Auch das Ansehen und die Anerkennung einer Dipl. Pflegefachfrau ist hier anders. Die Kommunikation mit den zuständigen Ärzten erfolgt stets auf Augenhöhe und von einer Hierarchie zwischen Arzt und Pflegespürte ich nichts. Mein Aufgabenfeld ist komplexer. Ich habe weitaus größere Entscheidungsfreiheit und dementsprechend mehr Verantwortung. Dipl. Pflegefachpersonen erfahren daher deutlich höhere Wertschätzung von Patienten und Personal als in Deutschland.

Vielseitige Freizeitmöglichkeiten

Auch die Freizeitgestaltung ist spannend und aufregend. Ich persönlich liebe die Berge und fühle mich rundum wohl. Innerhalb kürzester Zeit erreicht man wunderschöne Städte oder traumhafte Landschaften, etwa die Deutschschweiz mit ihren malerischen Bergpanoramen, die Westschweiz; etwas flacher und ländlicher, aber dafür mit wunderschönen Weinbergen; und natürlich den Tessin. Sobald man den Gotthardtunnel verlassen hat, ist man im Tessin angekommen und gedanklich in Italien.

Ich bereue keine Sekunde

Natürlich habe ich auch hin und wieder Heimweh. Dann laufe ich zu einem der schönen Seen mit unglaublichen Bergpanorama, welches mich immer wieder aufs Neue beeindruckt. Dank Whats App, Skype und Facebook stehe ich außerdem ständig im Kontakt mit meiner Familie. Das Heimweh wird dadurch immer kleiner und die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen umso größer. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin und bereue es keine Sekunde.

Corinna Betting, Zürich – 5.Mai 2019

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